Zweite Katze, ja oder nein
Über zehn und krank oder mit Schmerzen: vorerst keine zweite Katze
Eine Lage, in der die Antwort feststeht: Wenn deine Katze über zehn ist und gleichzeitig eine bekannte Erkrankung oder Anzeichen von Schmerzen hat, rät die Fachleitlinie zur Spannung zwischen Katzen ausdrücklich von einer zweiten Katze ab, bis das abgeklärt und eingestellt ist.
Ob eine zweite Katze das Leben deiner ersten besser macht, kann heute niemand vorhersagen. Die Untersuchungen dazu kommen zu gegensätzlichen Ergebnissen. Zwei andere Dinge stehen fester. Erstens raten Fachleute ausdrücklich ab, wenn die Katze älter ist und gesundheitliche Probleme hat. Zweitens die Auswahl: Verwandtschaft, Alter, Altersabstand und Geschlecht der beiden Tiere hängen deutlich damit zusammen, wie sie miteinander auskommen.
Der Selbsttest geht Gesundheit, Anlass und Alltag deiner Katze durch und zeigt dir, was vor der Entscheidung geklärt sein sollte und worauf es bei der Auswahl ankommt.
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Warum es darauf keine allgemeine Antwort gibt
Untersucht ist die Frage durchaus. Die Untersuchungen dazu verteilen sich etwa zu gleichen Teilen: Ein Teil findet Vorteile, ein Teil Nachteile, ein Teil keinen Zusammenhang.
Die Fachliteratur benennt diese Grenze ausdrücklich. Weil so viele Dinge mitspielen (wie die Ressourcen verteilt sind, was ein Tier in den ersten Lebenswochen erlebt hat), sei es schwer vorherzusagen, wie fremde Tiere reagieren, wenn man sie im Haushalt zusammenbringt. Auch der Selbsttest sagt deshalb nicht voraus, ob zwei Katzen miteinander auskommen. Klären lässt sich vorher, ob gerade etwas gegen eine zweite Katze spricht und worauf es bei der Auswahl ankommt.
Katzen sind weder Einzelgänger noch zwingend gesellig. Die Fachliteratur nennt sie fakultativ sozial. Sie können in Gruppen leben und tun es auch, aber sie müssen es nicht. Wie gut es gelingt, hängt stark an der frühen Entwicklung und an den Erfahrungen des einzelnen Tieres.
Was die Fachleitlinie zur Einsamkeit sagt
Die Fachleute, die 2024 die Empfehlungen zur Spannung zwischen Katzen geschrieben haben, führen die Annahme, Katzen würden einsam und bräuchten Gesellschaft, als verbreiteten Irrtum auf. Ihre Antwort darauf hat zwei Teile.
Erstens muss eine verstorbene Katze nicht ersetzt werden. Zweitens gebe es zwar Katzen, die unter dem Alleinsein leiden. Häufiger aber leiden Katzen darunter, mit einer anderen zusammenzuleben, mit der sie keine Bindung haben und die sie nicht tolerieren.
Ob eine Katze allein einsam wird, hat niemand gemessen; es ist eine Einschätzung von Fachleuten. Folgt man ihr, ist eine zweite Katze keine sichere Lösung gegen Einsamkeit: Finden die beiden keine Bindung, kann das Zusammenleben selbst zur Belastung werden.
Wann du warten solltest
Bei einer älteren Katze mit gesundheitlichen Problemen raten die Fachleute der Leitlinie klar ab. Dann sollte im Regelfall keine zweite Katze einziehen.
Mit dem Alter werden Erkrankungen häufiger, die man einer Katze lange nicht ansieht, etwa eine Überfunktion der Schilddrüse ab acht Jahren, dauerhaft erhöhter Blutdruck ab zehn und Gelenkveränderungen, die sich beim alten Tier fast immer im Röntgenbild zeigen lassen. Lass deshalb vor der Entscheidung in der Praxis nachsehen, wie es ihr geht.
Eine Zusammenführung dauert Wochen bis Monate. In dieser Zeit hat die Erstkatze weniger Rückzug, weniger ungestörten Zugang zu Futter und Katzentoilette und mehr Anlass, Begegnungen auszuweichen. Für eine Katze, die schon mit einer Erkrankung oder mit Schmerzen lebt, kommt diese Belastung hinzu.
Ein zweiter Punkt gilt in jedem Alter. Hat sich das Verhalten deiner Katze in den letzten Monaten verändert, ohne dass du weißt warum, lass das vor dem Einzug in der Praxis abklären. Eine Veränderung im Verhalten kann das erste Zeichen einer Erkrankung sein.
Wenn eine andere Katze gestorben ist
Für die Zeit nach dem Tod einer Katze ist gemessen, wie es den zurückgebliebenen Tieren geht. Drei von vier ändern ihr Verhalten. Bei Katzen ist das vor allem mehr Anhänglichkeit, dazu häufigeres Rufen.
Mit der Entscheidung solltest du warten, bis sich diese Veränderungen gelegt haben. Bei mindestens der Hälfte der Tiere ist das innerhalb von sechs Monaten der Fall.
Ob ein neues Tier den Verlauf verbessert oder verschlechtert, hat niemand untersucht. Eine verstorbene Katze muss nach Einschätzung der Fachleute nicht ersetzt werden.
Was sich sehr wohl entscheiden lässt
Bei der Auswahl sieht es anders aus. Vier Größen hängen deutlich damit zusammen, wie zwei Katzen miteinander auskommen.
- Verwandtschaft. Wurfgeschwister putzen sich doppelt so häufig gegenseitig wie nicht verwandte Paare. Umgekehrt beschreiben Halter nicht verwandter Tiere die Beziehung doppelt so häufig als negativ.
- Alter. Zwei junge Tiere, ein bis drei Jahre alt, putzen sich viel häufiger gegenseitig als zwei Tiere ab sieben. Unter den vier Größen der Auswahl ist das der größte Unterschied.
- Altersabstand. Paare mit großem Abstand kämpfen und schlagen häufiger und putzen und schlafen seltener gemeinsam.
- Geschlecht. Zwei kastrierte Kater kommen am besten miteinander aus, ein gemischtes Paar liegt in der Mitte, zwei kastrierte Katzen schneiden am schlechtesten ab. Viele Ratgeber empfehlen dagegen das gemischte Paar; die Zahlen dazu stehen auf der Seite Welches Geschlecht?
Das sind Zusammenhänge aus einer großen Befragung von Haltern zweier Katzen. Sie zeigen, welche Paare in vielen Haushalten besser miteinander auskommen. Wie es bei euch läuft, sagen sie nicht voraus.
Rechne in Jahren, nicht in Wochen
Paare, die sieben bis neun Jahre zusammenleben, putzen sich um ein Vielfaches häufiger gegenseitig als Paare im ersten gemeinsamen Jahr. Dazwischen steigt es Schritt für Schritt an. Paare, die sich dauerhaft nicht vertragen, werden eher getrennt. Ob eine Beziehung mit den Jahren wächst, lässt sich aus der Zahl deshalb nicht sicher ablesen.
Die Zusammenführung selbst dauert Wochen bis Monate. Ob es geklappt hat, lässt sich deshalb nach den ersten Wochen noch nicht beurteilen.
Wenn es mit deiner Katze gerade Schwierigkeiten gibt
Eine zweite Katze kann bestehende Schwierigkeiten verschärfen. Dass sie Unsauberkeit, Kratzen an Möbeln oder nächtliche Unruhe löst, ist nicht belegt. Sicher ändert sich die Verteilung von Futter, Katzentoiletten und Plätzen. Wo es nur eine Katzentoilettenzone gibt, wird häufiger gekämpft und geschlagen.
Gibst du im Test an, dass es gerade Schwierigkeiten gibt, zeigt dir das Ergebnis zuerst, wo du damit anfängst.
Was du heute noch tun kannst
- Ist deine Katze älter und war länger nicht in der Praxis, vereinbare vor der Entscheidung einen Termin. Dort lässt sich nachsehen, wie es ihr geht und ob eine Erkrankung gegen eine zweite Katze spricht.
- Schreib in einem Satz auf, warum du über eine zweite Katze nachdenkst. Ob sie dir einsam vorkommt, ob eine andere Katze gestorben ist oder ob du schon immer zwei wolltest, führt zu verschiedenen nächsten Schritten.
- Leg drei Punkte fest, bevor du Tiere ansiehst: Geschlecht, Altersspanne und ob zwei zusammen vermittelte Tiere infrage kommen. Mit dieser Notiz kannst du vor Ort vergleichen, ob ein Tier dazu passt.
Häufige Nachfragen
Wird meine Katze einsam, wenn sie allein bleibt?
Ob eine Katze allein einsam wird, hat niemand gemessen; es ist eine Einschätzung von Fachleuten. Nach dieser Einschätzung brauchen Katzen nicht zwingend Gesellschaft, wie oben unter Was die Fachleitlinie zur Einsamkeit sagt beschrieben.
Woran der Eindruck von Einsamkeit hängt und was du dann tun kannst, steht auf der Seite Ist meine Katze einsam?
Zwei aus einem Wurf, oder lieber nacheinander?
In Haushalten mit genau zwei Katzen putzen sich Geschwister häufiger gegenseitig als nicht verwandte Tiere; nicht verwandte Paare werden etwa doppelt so häufig als negativ beschrieben. Für einen Haushalt, in dem schon eine Katze lebt, sagen diese Zahlen wenig: Mit zwei Geschwistern lebten drei Katzen zusammen; für diese Lage gibt es keine Zahlen.
Untereinander müssen sich zwei Geschwister nicht aneinander gewöhnen. Zu deiner Katze müssen aber auch sie Schritt für Schritt zusammengeführt werden, genau wie ein einzelnes Tier.
Meine Katze kommt aus dem Tierheim, die neue vom Züchter. Macht das einen Unterschied?
Nach dem, was gemessen wurde, nicht. Weder die Herkunft noch das Alter beim Einzug hängen damit zusammen, wie die beiden später miteinander auskommen.
Die Zusammenführung läuft nach Einschätzung der Fachleute in beiden Fällen gleich ab. Aussagekräftiger ist nach ihrer Einschätzung, ob das Tier schon mit anderen Katzen zusammengelebt hat und wie das lief. Frag im Tierheim oder beim Züchter danach.
Ab wann weiß ich, ob es geklappt hat?
Wie eng die beiden werden, zeigt sich erst über Jahre. Früh erkennbar sind einzelne Zeichen: Fauchen, Starren, Verfolgen und Ausweichen auf der einen Seite, gemeinsames Schlafen, Nasenkontakt und gegenseitiges Putzen auf der anderen.
Überwiegen über Wochen die ersten, solltest du das Tempo der Zusammenführung zurücknehmen.
Reicht meine Wohnung für zwei Katzen?
Eine Quadratmeterzahl je Katze nennen die Fachleute nicht, eine Obergrenze für die Zahl der Katzen auch nicht. In den Zahlen zeigt sich vor allem die Verteilung von Futter, Wasser und Katzentoiletten. Bei nur einer Katzentoilettenzone wurde häufiger gekämpft und geschlagen.
In einer großen Befragung von Haltern zweier Katzen schliefen Paare, die ausschließlich drinnen leben, häufiger mit Körperkontakt als Paare, bei denen beide Freigang haben. Wohnungshaltung ist für das Zusammenleben zweier Katzen also kein Nachteil.
Was passiert bei euch?
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Was vor der Entscheidung geklärt sein sollte
Der kostenlose Selbsttest geht Gesundheit, Anlass und Alltag deiner Katze durch. Am Ende weißt du, was vor der Entscheidung geklärt sein sollte und worauf es bei der Auswahl ankommt.
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