Ist meine Katze einsam?
Über zehn und krank oder mit Schmerzen: vorerst keine zweite Katze
Eine Lage, in der die Antwort feststeht: Wenn deine Katze über zehn ist und gleichzeitig eine bekannte Erkrankung oder Anzeichen von Schmerzen hat, rät die Fachleitlinie zur Spannung zwischen Katzen ausdrücklich von einer zweiten Katze ab, bis das abgeklärt und eingestellt ist.
Ob eine Katze allein einsam wird, hat niemand gemessen; es ist eine Einschätzung von Fachleuten. Nach dieser Einschätzung brauchen Katzen nicht zwingend Gesellschaft. Keines der üblichen Anzeichen (viel Schlafen, Miauen an der Tür, stürmische Begrüßung) ist als Zeichen von Einsamkeit geprüft. Was dir auffällt, kann andere Gründe haben. Viele davon kannst du angehen, ohne dass ein zweites Tier einzieht.
Der Selbsttest geht Gesundheit, Anlass und Alltag deiner Katze durch und zeigt dir, was vor der Entscheidung geklärt sein sollte und worauf es bei der Auswahl ankommt.
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Warum es dazu keine Zahl gibt
Für Einsamkeit bei Katzen hat die Verhaltensforschung bisher nicht festgelegt, woran man sie erkennt, wie man sie misst und ab wann sie zu viel wäre.
Deshalb hat sie bisher niemand gemessen. Untersucht ist nur, ob es Katzen mit Artgenossen allgemein besser oder schlechter geht. Die Untersuchungen dazu verteilen sich etwa zu gleichen Teilen: Ein Teil findet Vorteile, ein Teil Nachteile, ein Teil keinen Zusammenhang (mehr dazu unter Warum es darauf keine allgemeine Antwort gibt).
Die Zeichen, an denen man es festmacht
Diese vier Beobachtungen werden als Zeichen von Einsamkeit gedeutet. Für jede gibt es eine andere Erklärung, die du prüfen kannst.
- Sie schläft sehr viel. Katzen schlafen und dösen einen großen Teil des Tages. Der Anteil steigt mit dem Alter. Wenn eine Katze mehr schläft als früher, ist der erste Verdacht ein körperlicher, kein sozialer.
- Sie miaut, wenn ich gehe oder komme. Erwachsene Katzen miauen fast nur gegenüber Menschen; wie oft, lernen sie daran, wie du reagierst. Miauen an der Tür zeigt deshalb vor allem, dass sie etwas von dir möchte.
- Sie ist anhänglicher geworden. Nach dem Tod eines Tiergefährten ist genau das die häufigste beobachtete Veränderung. Ohne einen solchen Anlass gehört auch hier zuerst der Körper geprüft: Schmerz und Erkrankung ändern das Verhalten.
- Sie spielt weniger als früher. Mit dem Alter spielen Katzen weniger miteinander, die Jagd auf ein Spielzeug bleibt ihnen aber wichtig. Lässt sie sich auch von einer Rute kaum noch locken, kann Schmerz dahinterstecken. Lässt sie sich locken, kannst du an dieser Stelle am meisten selbst tun.
Keines dieser Zeichen ist als Anzeichen von Einsamkeit geprüft. Sie können trotzdem stimmen, nur weiß das bislang niemand.
Was die Fachleitlinie dazu sagt
Die Fachleute, die 2024 die Empfehlungen zur Spannung zwischen Katzen geschrieben haben, halten fest, dass Katzen nicht zwingend Gesellschaft brauchen. Häufiger als unter dem Alleinsein leiden Katzen nach ihrer Einschätzung darunter, mit einer Katze zusammenzuleben, zu der sie keine Bindung haben (ausführlich unter Was die Fachleitlinie zur Einsamkeit sagt).
Falls deine Katze wirklich einsam sein sollte, ist eine zweite Katze deshalb keine sichere Lösung.
Was stattdessen belegt ist
Ob hinter deinem Eindruck Langeweile steckt, kannst du selbst prüfen, mit drei Dingen, die wenig kosten.
- Kurze Jagdeinheiten mit Beutespielzeug, mehrere am Tag. Eine Rute mit einem Anhänger, geführt wie ein flüchtendes Tier, weg von der Katze und nicht auf sie zu. Am Ende steht ein Fang, der sich greifen lässt.
- Futter, das erarbeitet werden muss. Ein Teil der Tagesration aus einem Futterspielzeug oder verteilt an mehreren Stellen der Wohnung. Das verlängert die Zeit, die eine Katze mit Suchen und Fressen verbringt, von Minuten auf Stunden.
- Fläche in der Senkrechten. Erhöhte Liegeplätze mit Überblick, ein Fensterplatz. Mehr nutzbare Ebenen bei gleichen Quadratmetern.
So prüfst du zugleich deine Vermutung. Ändert sich nach zwei bis drei Wochen mit täglichem Spiel nichts an dem, was dir aufgefallen ist, war es vermutlich kein Beschäftigungsproblem. Dann gehört zuerst der Körper geprüft.
Und wenn du trotzdem eine zweite willst
Eine zweite Katze kannst du dir auch wünschen, wenn deine Katze nicht einsam wirkt. Dann kommt es auf die Auswahl an und darauf, wie Futter, Katzentoiletten und Liegeplätze in der Wohnung verteilt sind. Zur Auswahl gibt es belastbare Zahlen, zu Verwandtschaft, Alter, Altersabstand und Geschlecht; sie stehen unter Was sich sehr wohl entscheiden lässt.
Was du heute noch tun kannst
- Spiel heute zweimal mit ihr, kurz und mit einer Rute. Den Anhänger von ihr weg führen, nicht auf sie zu, und am Ende etwas zum Fangen übrig lassen.
- Gib einen Teil der Tagesration aus einem Futterspielzeug oder verteil ihn an mehreren Stellen der Wohnung.
- Schreib ab heute jeden Abend in einem Satz auf, wie viel sie gespielt hat und was dir sonst auffällt. So siehst du nach zwei bis drei Wochen, ob das tägliche Spiel etwas verändert hat.
Häufige Nachfragen
Meine Katze ist den ganzen Tag allein, weil ich arbeite. Ist das zu viel?
Eine Stundenzahl, ab der es zu viel wäre, nennen die Fachleute nicht. Beeinflussen kannst du, was sie in dieser Zeit tun kann: ein Fensterplatz, erhöhte Liegeplätze, Futter, das sie suchen muss.
Eine zweite Katze kann die Stunden ohne dich nur dann besser machen, wenn die beiden sich verstehen.
Ihre Freundin ist gestorben. Braucht sie jetzt Ersatz?
Ob eine neue Katze hilft, hat niemand untersucht. Gemessen ist, wie es ohne neues Tier weitergeht: Drei von vier zurückgebliebenen Tieren ändern ihr Verhalten; bei mindestens der Hälfte legt sich das innerhalb von sechs Monaten.
Mit der Entscheidung solltest du deshalb warten, bis sich diese Veränderungen gelegt haben (mehr unter Wenn eine andere Katze gestorben ist).
Sind bestimmte Rassen stärker auf Gesellschaft angewiesen?
Dazu gibt es keine Untersuchung, auch nicht für Britisch Kurzhaar, Bengal oder Russisch Blau.
Wie gesellig eine Katze mit anderen Katzen ist, hängt nach heutigem Wissen stark an ihrer frühen Entwicklung und an dem, was sie mit anderen Katzen erlebt hat. Das sagt etwas über einzelne Tiere und nichts über Rassen.
Sie putzt sich mit meiner anderen Katze. Dann verstehen sie sich doch?
Gegenseitiges Putzen zählt zu den freundlichen Zeichen, ist aber weniger eindeutig, als es aussieht. Auf etwa jede dritte Putzepisode folgt aggressives Verhalten. Häufig geht es vom putzenden Tier aus.
Nützlicher als die Frage, ob geputzt wird, ist deshalb die Frage, wie die Episode endet. Lösen sich die beiden ruhig voneinander, ist es ein gutes Zeichen. Endet es regelmäßig mit Schlagen oder Wegrennen, ist es keines.
Wenn es bei euch anders aussieht
Wenn du über eine zweite Katze nachdenkst
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