Spielen sie, oder streiten sie?
Beim Streit nie mit den Händen dazwischengehen
Zwei Stellen, an denen Menschen verletzt werden: Fass niemals eine Katze an, die faucht, knurrt oder erregt ist. Sie leitet die Erregung auf das um, was gerade erreichbar ist. Und heb Katzen niemals hoch, um sie zu trennen. Schieb stattdessen ein großes Handtuch, einen Karton oder eine Platte dazwischen.
Vier Merkmale trennen Spiel von Streit: die Stimme, die Richtung, die Pausen und der Körperkontakt. Spiel ist wahrscheinlich, wenn beim Ringen kein Laut fällt, die Rollen wechseln, die Pausen kurz sind und die beiden dabei aneinanderliegen. Ernst ist es, wenn Fell oder Blut zurückbleibt, wenn immer dieselbe jagt und die andere sich versteckt oder wenn Knurren und Fauchen dazugehören. Beurteile das über mehrere Tage und nicht an einer einzelnen Szene; manche Rangeleien liegen dazwischen, näher am Spiel.
Der Selbsttest geht die Zeichen zwischen den beiden, die Wohnung und die Vorgeschichte durch und sagt dir, wie dringend es ist und womit du anfängst.
Seit wann ist es zwischen ihnen angespannt?
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Auf dieser Seite: 11 Abschnitte
Die Stimme
Fällt beim Ringen kein Laut, spricht das mit hoher Wahrscheinlichkeit für Spiel; Knurren und Fauchen gehören zum Ernstfall. Das hörst du auch aus dem Nebenzimmer. Anhaltendes Jaulen oder Schreien ist das seltenste aller Konfliktzeichen. Hörst du es bei einer Auseinandersetzung, war es kein Spiel; sieh beide Katzen auf Verletzungen durch.
Die Richtung
Im Spiel wechseln die Rollen: Mal jagt die eine, mal die andere, mal liegt die eine unten und kurz darauf die andere; dabei geht es über Boden, Sofa und Kratzbaum hinauf und hinunter. Geht das Jagen über Tage hinweg immer von derselben aus, weicht immer dieselbe aus und endet es immer in derselben Ecke, spricht das gegen Spiel.
Die Pausen
Spiel besteht aus vielen kurzen Unterbrechungen, beim Ernstfall sind die Pausen länger, mit Lauten darin. Am meisten sagt, was nach der letzten Pause kommt: Gehen beide auseinander und meiden sich für Stunden, war es eine Auseinandersetzung; legen sie sich hin, wo sie gerade sind, war es Spiel.
Unter fünf Sekunden ist eine Spielpause, eine halbe Minute regungsloses Gegenüberstehen mit fixiertem Blick ist etwas anderes. Was in dieser Zeit an Lauten fällt, wiegt schwerer als die Dauer selbst.
Der Körperkontakt
Im Spiel liegen die Tiere aneinander, halten sich fest und treten mit den Hinterbeinen; im Ernstfall halten sie Abstand und jagen einander stattdessen. Die Szene, die am wildesten aussieht, weil zwei Katzen ineinander verkeilt über den Teppich rollen, ist deshalb oft die harmlosere. Als Warnzeichen zählt der fehlende Körperkontakt, nicht die Heftigkeit eines vorhandenen.
Wenn das Jagen an die Stelle des Spiels tritt
Wenn zwischen zwei Katzen Spannung besteht, kann sich ihr Jagdverhalten gegen die andere richten. Miteinander spielen Katzen mit dem Alter weniger, das Spiel mit Beute, etwa mit einer Rute, bleibt ein Leben lang wichtig. Gib diesem Jagdverhalten deshalb ein anderes Ziel: täglich fünf bis zwanzig Minuten mit einer Rute, für jede Katze einzeln, beendet, solange sie noch Interesse hat, und am Ende mit etwas, das sie fangen kann.
Was im Spiel erlaubt ist und trotzdem ernst aussieht
Raues Spiel ist gehemmtes Spiel: Beim Treten fliegt kein Fell, die Krallen bleiben eingezogen, ein Biss hinterlässt keine Verletzung. Liegen Fellbüschel oder Blut oder findest du an einer der beiden eine Wunde oder eine geschwollene Stelle, war es kein Spiel mehr: Trenn die beiden (so geht es nach einem Streit) und ruf heute in der Tierarztpraxis an. Bisswunden sind klein und entzünden sich häufig.
Angelegte Ohren oder Lippenlecken können im Spiel vorkommen und machen für sich noch keinen Ernstfall. Spiel fängt außerdem häufig mit Aneinanderreiben oder einem Nasenkontakt an.
Was zwischen Spiel und Streit liegt
Manche Rangeleien lassen sich keinem von beiden klar zuordnen und liegen näher am Spiel; woran man sie im Alltag erkennt, ist nicht beschrieben. Liegt das, was du siehst, dazwischen, achte weiter darauf, von wem das Jagen ausgeht, ob Fell liegen bleibt und ob eine der beiden anfängt, sich zu verstecken.
Die Gegenprobe über den Tag
Der stärkste Hinweis liegt außerhalb der Szene: Regelmäßiges gegenseitiges Putzen oder gemeinsames Schlafen mit Körperkontakt spricht für Spiel, denn Katzen, die miteinander kämpfen, zeigen zu anderen Zeiten nicht zuverlässig freundliches Verhalten. Fehlen solche freundlichen Zeichen oder endet das Putzen regelmäßig in Fauchen, mach den Test; er sagt dir, wie dringend es ist und womit du anfängst.
Wann es keine Frage der Einordnung mehr ist
Versucht eine Katze durchgängig, sich zu verstecken, während die andere durchgängig jagt, und kommt es häufig, heftig oder anhaltend zu Kämpfen, lass beide in der Tierarztpraxis untersuchen. Welche Anlässe es sonst gibt und welche nicht bis morgen warten, steht unter Wann du in der Tierarztpraxis anrufst. Kurze Episoden, nach denen beide ihrer Wege gehen, sind dagegen gewöhnlich; eingreifen musst du dann in der Regel nicht.
Wie du es festhältst
Film die Szene und nimm die Aufnahme mit in die Praxis; in der Sprechstunde ist davon nichts zu sehen. Fang früh genug an, damit zu sehen ist, von wem das Jagen ausgeht. Notier dazu Uhrzeit und Ort; daran siehst du, ob es immer dieselbe Engstelle ist.
Die vier Merkmale auf dieser Seite stammen aus einer Untersuchung, in der Videos von Begegnungen zwischen Katzen ausgewertet wurden; die Einzelheiten stehen unter Wie wir arbeiten.
Was du heute noch tun kannst
- Notier sieben Tage lang bei jeder Rangelei, von wem das Jagen ausgeht; zwei Buchstaben je Zeile reichen. Wechselt es, lass sie spielen. Geht es fast immer von derselben aus, sorg für zweite Zugänge an Verstecken und erhöhten Plätzen und lass beide untersuchen.
- Film die nächste Runde und lass die Aufnahme zehn Sekunden über das Ende hinauslaufen. Legen sich beide danach in der Nähe hin, war es Spiel. Gehen sie auseinander und meiden sich für Stunden, war es eine Auseinandersetzung; vermerk das auf deiner Liste.
Häufige Nachfragen
Die eine beißt die andere in den Nacken und lässt nicht los.
Der Nackengriff kommt im Spiel vor und sagt für sich wenig. Ist dabei nichts zu hören, wehrt sich die untere Katze kaum und liegt danach kein Fell am Boden, kannst du es laufen lassen. Fällt ein Laut und kommen ausgefahrene Krallen oder Fellbüschel dazu, unterbrich die Szene ohne Hände, mit einem großen Handtuch oder einem Karton.
Immer dieselbe rennt weg. Ist das schlimm?
Jagen, das immer von derselben ausgeht, spricht am deutlichsten gegen Spiel. Prüf, ob jedes Versteck und jeder erhöhte Platz zwei Zugänge hat, und lass die Katze, die wegläuft, ansehen: Schmerz kann die Schwelle senken, ab der ein Tier ausweicht.
Soll ich dazwischengehen, wenn ich unsicher bin?
Unterbrich den Blick zwischen den beiden, ohne sie anzufassen und ohne zu schimpfen. Musst du regelmäßig eingreifen, sieh dir an, wo es passiert, und schaff dort einen zweiten Weg.
Der eine ist ein Kitten, der andere ist sieben.
Bei so großem Altersunterschied ist die Einordnung besonders schwer: Ein junges Tier fordert Spiel ein, an dem eine ältere Katze oft kein Interesse mehr hat. Was hilft, ist ein Mensch mit einer Rute in der Hand, damit die Energie ein anderes Ziel bekommt, und eine erhöhte Fläche für die ältere Katze, auf die das Kitten nicht ohne Weiteres kommt.
Wenn es bei euch anders aussieht
Wie es zwischen euren beiden steht
Ein paar Fragen zu den Zeichen zwischen den beiden, zu eurer Wohnung und zur Vorgeschichte. Am Ende steht, wie dringend es ist und womit du anfängst.
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